Run Baby Run

Laufen.
Ja, das ist so eine Sache. Laufen und Isa stehen definitiv auf Kriegsfuß. Und das quasi schon seit Jahrzehnten. Eingefleischte Feinde sozusagen.

Mit dem Laufen ist es doch wie mit Lakritze: Du liebst es. Oder Du hasst es.
(Ich liebe Lakritze und hasse das Laufen)

Mit über 40 passieren einem dann aber doch die ein oder anderen wundersamen Dinge.
Ohne auch nur eine Sekunde darüber nachzudenken was für ein Unsinn das sein könnte, habe ich „beschlossen“ beim Reebok-Spartan-Race in München mitzumachen.
Der Entschluss fiel Ende Januar.
Das ist so ein Hindernis-Wettrennen mit Schlamm und Seilen und Stacheldraht.
Warum ich das wollte?
Keine Ahnung!
Weil.

Naja nicht ganz keine Ahnung. Bei den Übungen für die großen Muskelgruppen merkte ich, dass mir die Puste ausgeht. Außerdem habe ich in meiner Weiterbildung etwas sehr Wichtiges gelernt: „Sauerstoff ist der limitierende Faktor“.
Fazit: don’t forget your cardio!
Genau in dem Moment hatte mich dann Reebok angeschrieben, ob ich den Run nicht bewerben will. Und weil ich nie etwas bewerbe, das ich nicht selber getestet habe, muss ich da eben durch.

Was dann geschah:
Chronologie eines – zunächst gründlich missglückten – Versuchs, sich in die Riege der Läufer einzureihen

+++Montag, 19. Januar+++
Beintraining im Gym

+++Dienstag, 20. Januar+++
Tanztraining  (Clubstyle)

+++Mittwoch, 21. Januar+++
BokWa-Fitness (1 Stunde hopsen)

+++Donnerstag, 22. Januar+++
5km. Das mach ich jetzt mal. Das ist die Reebok-Strecke. Los geht’s:
Wie soll denn das gehen? Jetzt bin ich gerade mal hier vorne bei meinem Friseur. Das sind erst 400m. Ich kann nimmer. Mir tun die Beine weh….ok nächstes Ziel bis hoch zur Gärtnerei… ach, ein Pärchen beim Laufen, und tratschen, na bravo, die laufen ja nicht, die gehen ja fast rückwärts, ich überhol die mal, betont locker, hach, ich kann das…schei*e tun mir meine Beine weh…nur nicht die Blöße geben, gehtschogehtschogehtscho…. Friedhof in Sicht… Wenn ich mal besser bin laufe ich die steile Treppe 10x hoch und runter…jetzt erst mal den steilen Berg hoch…ähm…ich gehe dann mal lieber…wenigstens zügig…mal sehen was Runstatic sagt…wie??! 1,8 Kilometer? Samma hackts?! Fühlt sich an wie zehn Kilometer! Frechheit….weiter gehts….mein Beine tun mir so weh….Isa, konzentriere Dich auf die Musik, einfach langsam laufen…langsam laufen ist doof…mir tun meine Beine weh…was Dich nicht umbringt….ok ich laufe noch links hoch, wenn ich schon mal unterwegs bin…mir wird das nie nie nie nie nie Spaß machen. NIE!…mir tun meine Beine weh…. Zurück berab…3km….oh Mann!!! Die App lügt doch!… noch über die Wiese und zurück durch den Park, die Strecke kenn ich gut… da kann ich in Gedanken Gassi gehen…der Hund wird auch schon müde…siehste, laufen ist doof….mir tun die Beine weh…ob es doch die falschen Schuhe sind? Oder die falsche Musik? Die Musik ist schuld. Ganz klar… Will I Am auf den Ohren „I got that power…“ wäre doch gelacht… „And im loving every second, minute, hour (GELOGEN!!!) bigger, better, stronger, power (HAH! YES I CAN!)….“
5,21 km in 00:35 * Pace 06:53 min/km * Geschwindigkeit 8,7 km/h
Viel zu schnell und gleich bergauf-bergab. Aber das wusste ich da noch nicht.

+++Samstag 24. Januar+++
Siehe oben
5,16 km in 00:39, Pace 07:35, Geschwindigkeit 7,9
Da war sie dann schon langsamer, die Isa. Auf der gleichen Strecke.

+++Samstag auf Sonntag+++
Nicht geschlafen. Meine Beine tun mir so weh.

+++Montag, 26. Januar+++
Beim Arzt. Eigentlich wegen einer noch nicht ganz auskurierten Entzündung in der Schulter. Aber die Beine herzeigen kann ja mal nicht schaden.
Diagnose: Wadenmuskelverhärtung nach Überlastung 

+++Dienstag, 27. Januar+++
Tanztraining „Eric, ich mach heute nur Halbgas mit. Mir tun die Beine so weh. Ich habs bisschen übertrieben. ok?!“
Ja genau. Theorie vs Praxis. Halt mal einer die Füße still, oder halb still, bei DEM Sound und DER Choreo. Keine Ahnung wer das kann. Ich kann das nicht.
Mir tun die Beine weh. Aber einmal Choreo-Durchlauf geht schon. Fünf, sechs, sieben, Sprung!! ****BATZ!**** Autsch. Jetzt ist was kaputt…
Noch drei Anläufe, dann hab ich mich in die Ecke gesetzt, und dann bin ich heim gegangen. Sonst hätte ich immer noch weiter gemacht. Wenns ums Tanzen geht kann ich mich einfach nicht dosieren.

Eine Woche lang hab ich weiter trainiert. Oberkörper sowieso. Beine auch nochmal.
Am Dienstag, 3.3. war ich nicht im Tanztraining. War irgendwie klar, dass das nicht geht.

+++Mittwoch, 4. Februar+++
Beim Arzt. Schmerzen werden irgendwie nicht besser.
Diagnose: akuter Wadenmuskelfaser/-bündelriss rechts, Einblutung.
Na bravo. Und jetzt?
Sagt der doc doch glatt „PECH. Pause. Eis. Compression. Hochlegen“
Ich: „Und wie lange??“
Er: „Vier Wochen mindestens. Und dann mal sehen. Fußballer fallen sechs Monate aus.“
„WHAT???!“
„Je disziplinierter Sie sind, desto schneller geht es wieder. Langsame Belastungen nach vier Wochen. Schnelle Belastungen (Sprünge etc.) nach 6-8 Wochen. Frühestens.“

Äääähm. AHA. 😦 Disziplin. Pffffffh…

***

P – E – C – H
Pause – Eis – Compression – Hochlegen

***

Ok, liebe Isa. Alles auf Anfang. Jetzt nochmal mit Hirn und Verstand. Laufen kann man nicht einfach aus dem Stand. Genauso wenig wie Liegestütze oder Klimmzüge. Sauber und langsam aufbauen heißt die Devise. Das erzählst Du immer Deinen Ladies und machst selber den gleichen Mist. Die richtige Technik ist das A und O. Und dann nach Plan.
Ich hab mir dann bei http://www.runnersworld.de einen Plan runtergeladen.
10 Kilometer in 7 Wochen.

***

+++Dienstag, 3. März+++
Vier Wochen hat der Arzt gesagt. Die sind jetzt um!
3,04 km in 00:19 min * Pace 06:26 min/km * Geschwindigkeit 9,3 km/h
Viel zu schnell. Laut Plan hätte ich viel langsamer anfangen sollen.
Wade zwickt.
Reebok Spartan Run abgesagt.
Erste Stunde Physio-Therapie. Immer noch alles voller Knoten. AUA.

+++Mittwoch, 4. März+++
Ultraschall. Alles ok. Kann weitermachen. LANGSAM

+++Donnerstag, 5. März+++
3,2 km, brav nach Plan, in 00:22 * Pace 07:05 * Geschwindigkeit 8,5
Langsamer. Brave Isa.

+++Sonntag, 8. März+++
3,2 km, in 00:21 * Pace 06:35 * Geschwindigkeit 9,1
Zu schnell. Aber ging irgendwie ganz gut.

+++Sonntag 15. März
5,23 km in 00:39 * Pace 07:31 * Geschwindigkeit 8,0
Langsamer. Brave Isa.
HEY!! Merkt Ihr was? ICH bin FÜNF KILOMETER gelaufen!!
Die ersten anderthalb Kilometer tun mir immer noch die Beine weh.
Aber dann ging es ganz gut. Und meine Gedanken sind abgeschweift. Ich hab aufgehört über die Strecke nachzudenken. Bin einfach vor mich hin getrabt.
Na sowas! Nicht, dass wir uns falsch verstehen: SPASS macht es mir immer noch keinen 😉

+++Dienstag 17. März+++
Im Plan stehen 3,2 km, aber gelaufen bin ich
4 km in 00:28 * Pace 07:05 * Geschwindigkeit 8,5
Schneller als vorgegeben. Aber was solls.
300 kcal in 30 Minuten. Dankbares Geschäft. Ein ganz neuer Aspekt dieser Tortur.

+++Donnerstag 19. März+++
Auto in die Werkstatt gebracht und von dort aus los.
Mal sehen wie weit ich komme. 1km nach dem ersten Lied. Um die Baggerseen. Da musste ich mal kurz stehen bleiben und Fotos machen.
Und am Ende, zurück an der Werkstatt noch einmal um die Tartan-Bahn der Schule. Dieser Geruch! Flashback zu den Bundesjugendspielen, an denen mich der Sanka nach dem 800m-Run gegen das Starnberger Gymnasium von der Bahn gekratzt und mitgekommen hat. Wegen Unterzuckerung. Drei Meter vor dem Ziel zusammengebrochen. Das ist der Beweis: ich konnte das noch nie! Aber jetzt kann ich es besser als mit 16! Einmal rum. So schnell konnte ich gar nicht schauen :). Zeit irrelevant wegen der Pausen. Aber trotzdem guter Schnitt. Keine Schmerzen.

+++Sonntag, 22 März+++
7,3 km,  Zeit irrelevant. Musste eine verunglückte Raupe retten und das übertrieben grüne Moos im Wald fotografieren.
Aber ungefähr ein 8er Schnitt. Und ich muss gestehen: Mitten durch den Wald macht es fast ein ganz klitzekleines bisschen Spaß ;).

Gerettete Raupe

Ein bisschen stolz bin ich jetzt schon.
Und muss aber ganz ehrlich sagen, ohne die vielen Physio-Termine (2 Doppelstunden pro Woche) wäre das nicht gegangen.
Maria ist „Entknotungs-Spezialisitin“ und hat mir mit liebevoller Brutalität die Myogelosen aus der Muskulatur gebohrt. Noch nicht ganz. Aber einsatzfähig.

Das Beste kommt zum Schluss:
Heute in einer Woche geh ich wieder zum Tanzen.
Und wehe es reißt irgendwas ab!

ALLER ANFANG IST SCHWER!

#Scheißaufchillen
Eure Isa***

 

PS: 10k unter 50 Minuten. Solange mach ich das. Dann höre ich wieder auf mit dem Laufen. Für immer. Versprochen!

PPS: 12.09.2015 bin ich angemeldet für den Women-Run in München. Kein Schlamm. Keine Hindernisse. Kein Stacheldraht. Nur laufen. Die Siegerin des letzten Jahres lief die 8km-Strecke in 30 Minuten. Die spinnt doch 😉 😀 😀 😀

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Dany sagt:

    Ich hab mit dem Laufen angefangen, weil ich gern was gutes tun wollte. Da bin ich zum Rückenwindlauf in Garching gekommen. Man kann 5 oder 10 km laufen. Ich laufe 5.! Das reicht mir. Man läuft und spendet einen Großteil des Geldes an die Elterninitiative krebskranker Kinder.
    Letztes Jahr habe ich das erste mal mitgemacht. Untrainiert – ca. 42 Minuten. Dieses Jahr wird es besser, da ich ja schon brav am üben bin 😊 und ich freu mich schon drauf 👟☀️🏆

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s